Lohnt sich eine Pflegezusatzversicherung?

Mit zunehmendem Alter verliert der Körper an Mobilität. Auch einfache Tätigkeiten fallen älteren Menschen deshalb oft schwer. Aus diesem Grund sind viele Senioren auf Hilfe von Verwandten oder auf einen professionellen Pflegedienst angewiesen. Einen Teil der anfallenden Kosten übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung. Diese reicht in der Regel aber nicht aus, um die Kosten komplett zu decken. Doch welche Leistungen stehen einem Pflegebedürftigen zu und welche Rolle kann eine Pflegezusatzversicherung in solchen Fällen spielen?

So hilft die gesetzliche Pflegeversicherung

Der Staat teilt Pflegebedürftige in drei Stufen ein:

  • Pflegestufe 1: Erheblich Pflegebedürftige
  • Pflegestufe 2: Schwerpflegebedürftige
  • Pflegestufe 3: Schwerstpflegebedürftige

 

Wie man eine Pflegestufe für sich oder seine Angehörige beantragen kann, können Sie auf Gelbe Seiten nachlesen. Eine Zuteilung zu einer der drei Stufen ist für eine staatliche Unterstützung zwingend notwendig.

Die Pflegestufe 1 liegt vor, wenn ein Bedürftiger mindestens einmal am Tag Hilfe bei zwei verschiedenen Aufgaben aus den Grundpflegebereichen benötigt. Der Pflegeaufwand liegt durchschnittlich bei 90 Minuten. Organisieren Angehörige die Pflege selbst, werden sie dabei vom Staat mit 235 Euro pro Monat unterstützt. Wird ein ambulanter Pflegedienst beauftragt, steht dem Betroffenen ein Betrag von 450 Euro zu. Diejenigen, die der zweiten Pflegestufe zugeteilt werden, gelten als schwerpflegebedürftig. Wer diese Stufe beantragt, muss mindestens drei Mal am Tag Hilfe im Bereich der Grundpflege benötigen. Insgesamt wird dann ein Pflegeaufwand von drei Stunden täglich veranschlagt. Für die Pflege durch Angehörige zahlt der Staat monatlich 440 Euro, die Pflege durch einen Pflegedienst wird mit 1.100 Euro unterstützt. Die Pflegebedürftigen, die rund um die Uhr betreut werden müssen, werden der letzten Pflegestufe zugeteilt. Sie bezeichnet man als schwerstpflegebedürftig. Eine selbst organisierte Pflege unterstützt der Staat in diesem Fall mit 700 Euro im Monat, einen ambulanten Pflegedienst mit maximal 1.550 Euro. In bestimmten Härtefällen können Betroffene aber auch mehr Geld in Anspruch nehmen.

Ist eine Pflegezusatzversicherung sinnvoll?

Weil die tatsächlichen Kosten für eine angemessene Pflege oft die Unterstützung der gesetzlichen Pflegeversicherung übersteigen, denken viele Menschen über den Abschluss einer zusätzlichen privaten Versicherung nach. Dies kann nicht nur für den Pflegebedürftigen selbst, sondern auch für seine Angehörigen eine finanzielle Entlastung darstellen. Denn kann die bedürftige Person selbst nicht mehr für den vollen Betrag der Pflege aufkommen, bittet das Sozialamt in der Regel zunächst die Angehörigen zur Kasse. Aus diesem Grund kann eine zusätzliche Pflegeversicherung durchaus sinnvoll sein. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Arten der privaten Pflegeversicherung:

  • Pflegerentenversicherung: Der Versicherte erhält eine lebenslange Monatsrente, wenn er einer Pflege bedarf.
    Dies ist die teuerste Form der Vorsorge.
  • Pflegekostenversicherung: Die Versicherung beteiligt sich anteilig an den Kosten, die im Rahmen der Pflege anfallen.
  • Pflegetagegeldversicherung: Der Pflegebedürftige erhält einen vorher vereinbarten Betrag pro Pflegetag ausbezahlt, unabhängig von den tatsächlich anfallenden Kosten.

 

In bestimmten Fällen unterstützt der Staat den Versicherten mit einem jährlichen Betrag von 60 Euro. Obwohl es den meisten jüngeren Menschen schwerfällt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, sollte eine Zusatzversicherung frühzeitig abgeschlossen werden. Für über 70-jährige lohnt es sich üblicherweise nicht mehr, eine Pflegeversicherung abzuschließen. Die Stiftung Warentest hat ein Alter von Mitte 40 bis Ende 50 als groben Richtwert für einen Abschluss angegeben. Durch Unfall oder Krankheit kann man jedoch auch vorher zum Pflegefall werden. Wenn man dann noch keine Zusatzversicherung abgeschlossen hat, ist es zu spät.

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Wie hoch ist der Beitragssatz in der gesetzlichen Pflegeversicherung 2015?

Der Beitragssatz für die gesetzliche Pflegeversicherung war,
bis zum 31. Dezember 2014, 2,05 % des Bruttoeinkommens.
Kinderlose Beitragszahler mussten 2,3% (inklusive 0,25% Zuschlag) des Bruttoeinkommens bezahlen

Der Beitragssatz liegt seit Anfang 2015 bei 2,35%.
Für kinderlose Versicherte liegt er nun bei 2,6% (inklusive 0,25% Zuschlag).

Der normale Beitragssatz wird zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer geleistet.
Der Zuschlag für Kinderlose ist allein vom Arbeitnehmer zu zahlen.

Die Beitragsverteilung sieht dann folgendermaßen aus:

Abeitnehmer            Kinderloser Arbeitnehmer          Arbeitgeber
    1,175 %                          1,425 %                                 1,175 %

 

Eine Besondere Regelung gilt bei der Beitragsverteilung in Sachsen.
Von den 2,35% Pflegebeitrag zahlt der Arbeitnehmer 1,675 Prozent (plus 0,25 Prozentpunkte Zuschlag für Kinderlose)
und der Arbeitgeber nur 0,675%.
Grund für diese Sonderregelung ist, dass In Sachsen zur Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung kein Feiertag gestrichen wurde.

 

Die private Pflegepflichtversicherung hat keine prozentualen Beitragssätze,
sondern nach dem individuellen Risiko (Ältere zahlen höhere Prämien) berechnete Beitragssätze.

Laut Gesundheitsminister Gröhe soll die Pflegereform 2017 kommen

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